Insulinresistenz bei PCOS

Neben den vielen PCO Syndrom Symptomen, die psychisch sehr belastend sein können, ist die Insulinresistenz eins der gesundheitlich kritischsten Symptome von PCOS und muss sehr ernst genommen werden.

Was ist Insulinresistenz?

Normaler Zuckerstoffwechsel und Zuckerstoffwechsel bei Insulinresistenz
Normaler Zuckerstoffwechsel und Zuckerstoffwechsel bei Insulinresistenz

Insulin ist ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird, wenn der Blutzuckerspiegel erhöht ist. Das ist normalerweise nach der Nahrungsaufnahme der Fall. Das Insulin dockt an den Rezeptoren der Zellen an und gibt diesen somit das Signal: Hey, hier ist Traubenzucker im Blut, das du verarbeiten sollst.
Je höher der Blutzuckerspiegel ist, desto mehr Insulin wird ausgeschüttet. Mehr Rezeptoren werden besetzt und umso fleißiger verstoffwechseln die Zellen den Zucker und gewinnen daraus Energie bis der Blutzuckerspiegel wieder auf das normale Niveau gesunken ist.

Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen jedoch viel schwächer auf das Insulin-Signal der Bauchspeicheldrüse und verarbeiten den Zucker trotz der hohen Insulinkonzentration nur langsam.
Die Bauchspeicheldrüse gibt also Vollgas und schießt immer mehr und mehr Insulin hinterher (Hyperinsulinämie), weil der Blutzuckerspiegel nicht wie gewünscht sinkt. Das heißt, ihr habt nach einer Mahlzeit viel länger einen sowohl hohen Insulin- als auch Blutzuckerspiegel als es bei gesunde Menschen der Fall ist.

Wie hängt Insulinresistenz mit Diabetes zusammen?

Insulinresistenz bei PCOS

Eure Bauchspeicheldrüse läuft auf Hochtouren, weil die normalen Insulinmengen nicht mehr den gewünschten Effekt erzielen. Das funktioniert einige Jahre lang auch ganz gut. Aber irgendwann macht die Bauchspeicheldrüse schlapp. Sie ist nicht darauf ausgelegt, jahrzehntelang das 10- bis 15-fache der üblichen Insulin-Dosis zu produzieren. Also streikt sie schließlich und stellt ihren Dienst ein. Sie schüttet gar kein Insulin mehr aus.

Das nennt man Diabetes mellitus Typ 2. Euer Körper ist nun gar nicht mehr in der Lage dazu, selbstständig Insulin herzustellen. Ihr seid auf Medikamente angewiesen. Ihr müsst eurem Körper von nun an manuell Insulin zuführen, damit die Zuckerverarbeitung weiterhin funktioniert. Die Spätfolgen sind drastisch. Das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Erblindung und Durchblutungsstörungen an Nieren oder Füßen ist stark erhöht.

Insulinresistenz und PCOS

Was hat das alles nun aber mit dem PCO Syndrom zu tun? Über 75 % der Frauen mit PCOS sind von Insulinresistenz betroffen. Insbesondere bei Übergewicht tritt die IR sehr häufig auf. Aber auch schlanke Frauen mit dem polyzystischen Ovar Syndrom haben eine hohe Wahrscheinlichkeit unter Insulinresistenz zu leiden. Und das führt zu einem Teufelskreis.

Das vermehrt ausgeschüttete und im Blut befindliche Insulin beeinflusst den gesamten Stoffwechsel- und Hormonhaushalt. Die Folgen sind Übergewicht (welches wiederum die IR verstärkt) und eine Stimulation der Androgen-Produktion. Noch mehr männliche Hormone werden ausgeschüttet und verstärken Symptome wie Haarausfall, starke Körperbehaarung oder den weiblichen Zyklus und die Fruchtbarkeit

Das Insulin spielt beim PCO Syndrom eine Schlüsselrolle. Es verschlimmert die bekannten Symptome und bringt bei einer Insulinresistenz große gesundheitliche Risiken mit sich.

Behandlung und Heilung von Insulinresistenz

Die gute Nachricht ist, dass man die IR durch das eigene Verhalten positiv beeinflussen kann.

Ernährung

Vor allem die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle. Schließlich hängt die Aktivität der Bauchspeicheldrüse von der Höhe des Blutzuckerspiegels ab. Und den können wir steuern. Der gykämische Index (GI) gibt an, wie stark der Blutzuckerspiegel auf ein Lebensmittel reagiert. Ernähren wir uns so, dass der Zuckeranteil in unserem Blut nicht schlagartig nach oben springt, wird sich auch die Bauchspeicheldrüse zurück halten und die Insulin-Ausschüttung wird moderater ausfallen. Das kann sogar dazu führen, dass eure Zellen mit der Zeit wieder sensibler auf Insulin reagieren und die Resistenz nachlässt.

Bewegung

Muskeln sind sehr gut darin, Traubenzucker in Energie umzuwandeln. Je mehr und besser trainiertes Muskelgewebe ihr besitzt, umso besser kann Zucker in eurem Körper verstoffwechselt werden.

Medikamentöse Behandlung mit Metformin

Metformin ist eigentlich ein Arzneimittel, das bei Diabetes eingesetzt wird. Aber auch schon bei der Vorstufe, der Insulinresistenz, erzielt es gute Ergebnisse. Daher wird es bei PCOS oft „off-label“ verschrieben. Es erhöht unter anderem die Sensitivität der Zellen auf Insulin und verzögert die Aufnahme des Zuckers ins Blut. Ich habe fast 2 Jahre lang Metformin genommen. Meine persönlichen Erfahrungen mit Metformin kannst du in diesem Artikel nachlesen.