Metformin bei PCOS

Metformin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das eigentlich bei Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt wird. Obwohl ich davon nicht betroffen bin, habe ich es zwei Jahre lang eingenommen. Warum das so war, wie es gewirkt hat und wie ich damit zurechtgekommen bin, möchte ich euch hier erzählen.

Es handelt sich hierbei um meine persönliche Erfahrung mit einem verschreibungspflichtigen Medikament. Bitte wendet euch bei konkreten Fragen an einen Arzt. Ich bin kein Mediziner.

Was macht Metformin?

Nach einer Mahlzeit wird bei der Verdauung über den Darm Glucose ins Blut abgegeben. Wie bereits bei dem Beitrag über Insulinresistenz beschrieben, schüttet die Bauchspeicheldrüse danach Insulin aus, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Die Leber hat allerdings die Fähigkeit, auch aus anderen Nährstoffen, wie zum Beispiel Fetten und Proteinen, Glucose zu produzieren. Sie kann den Blutzuckerspiegel somit unabhängig von der Nahrungsaufnahme beeinflussen.

Metformin kann diese Glucose-Produktion der Leber hemmen. Sie produziert dann weniger Glucose, die sie zwischendurch ins Blut abgibt. Dadurch ist der Nüchternblutzucker niedriger und die Insulinausschüttung wird nicht getriggert. Aber auch nach dem Essen kann Metformin helfen, indem es die Aufnahme des Traubenzuckers ins Blut verlangsamt. Der Blutzuckerspiegel steigt dadurch gemäßigter und nicht so sprunghaft an. Die Bauchspeicheldrüse reagiert entsprechend weniger aggressiv und setzt nicht so viel Insulin frei. Außerdem senkt Metformin generell die Insulinresistenz. Die Zellen reagieren sensitiver auf das Insulin und benötigen weniger Anreize, um mit dem Zuckerstoffwechsel zu beginnen.

Hilft Metformin bei PCOS?

Aus genau diesem Grund wird Metformin oft bei dem PCO Syndrom verschrieben, obwohl es offiziell kein Medikament dagegen ist. Wenn PCOS mit einer Insulinresistenz einhergeht, kann es sehr positive Effekte haben. Insbesondere in Verbindung mit einer angepassten Ernährung kann man die Insulinresistenz damit gut in den Griff kriegen und den Körper wieder für Insulin sensitivieren. Zusätzlich hat es eine positive Wirkung auf den Fettstoffwechsel und hilft beim Abnehmen. Weniger Übergewicht und ein funktionierender Zucker-Stoffwechsel wirken sich letztlich positiv auf den ganzen Hormonhaushalt aus und die PCOS-typischen Symptome verringern sich.

Leider ist der Wirkstoff Metformin offiziell nur für Diabetiker vorgesehen. Ärzte können es bei Insulinresistenz und PCOS trotzdem „off-label“ verschreiben. Das heißt, dass du es nicht zum eigentlich vorgesehenen Zweck einnimmst und daher für das Medikament zahlen musst. Bei mir beliefen sich die Kosten auf ca.18 € pro Quartal.

Einnahme und Nebenwirkungen von Metformin

Der Wirkstoff wird oral eingenommen, also in Tablettenform geschluckt. Es gibt verschieden starke Tabletten. Ich habe damals einmal morgens und einmal abends je 850 mg zum Essen eingenommen. Die genaue Dosierung müsst ihr aber individuell mit eurem Arzt absprechen.

Die Tabletten bestehen aus einem weißen, gepressten Pulver, das sich bei Feuchtigkeit auflöst und dann bitter und eklig schmeckt. Es sollte also schnell mit Wasser runter gespült werden.
Für gewöhnlich beginnt man einschleichend mit der Einnahme von Metformin. Das heißt, dass man mit einer kleinen Dosis anfängt und sie langsam steigert, bis man die gewünschte Dosierung erreicht hat. Das soll zu starke Nebenwirkungen vermeiden.

Diese treten nämlich vor allem zu Beginn der Medimenkation auf. Ich hatte in den ersten Tagen nach dem Essen oft ein Übelkeits-Gefühl und einige Tage lang leichten Durchfall. Bauchschmerzen und Erbrechen können ebenfalls auftreten, wovon ich zum Glück nicht betroffen war. Überrascht war ich von dem Gefühl der Appetitlosigkeit, das ich so bisher noch nicht gekannt hatte.
Diese Nebenwirkungen legten sich nach ca. 2 Wochen. Allerdings konnten sie wieder auftreten, wenn ich zu zuckerreich gegessen hatte. Das viele Zucker im Körper in Verbindung mit dem Metformin, das die Verarbeitung verlangsamt, führte dann manchmal zu Übelkeit und einmal sogar zu Erbrechen. Immerhin war das ein verdammt guter Grund, die Finger von Süßigkeiten zu lassen.

Hat Metformin mir geholfen?

Jein. Ich war gezwungen, auf meine Ernährung zu achten und konnte mit Metformin sehr gut abnehmen. Welche Rolle der Wirkstoff dabei tatsächlich spielte, weiß ich nicht. Parallel zur Einnahme achtete ich auch besser auf meine Ernährung. Eine Verbesserung der Symptome, beispielsweise die Akne oder der Haarausfall, konnte ich jedoch nicht feststellen. Auch als der orale Glukosetoleranz-Test (oGTT) nach 2 Jahren bei mir wiederholt wurde, hatte das Ergebnis sich trotz der regelmäßigen Metformin-Einnahme nicht verbessert. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass ich mich phasenweise auch wieder schlechter ernährt hatte.

Ich hatte das Gefühl, dass das Metformin anders als am Anfang in dieser Dosierung bei mir kaum noch wirkt. Außerdem hatte es das Abnehmen zwar erleichtert, ansonsten bei mir persönlich allerdings keine positiven Auswirkungen auf den Hormonhaushalt gehabt. Daher habe ich mich vorerst gegen eine weitere Einnahme entschieden. Ich schließe nicht aus, es noch einmal zu probieren. Im Moment muss ich aber erst einmal meine Ernährung wieder umstellen und an den natürlichen Maßnahmen wie zum Beispiel mehr Bewegung arbeiten, bevor ich zu Tabletten greifen will.