Wenn Frauen Bärte haben – männliche Körperbehaarung mit PCOS

Starke Behaarung an Armen und Beinen, an Rücken und Bauch und sogar an Kinn und Hals. Und das, obwohl man eine Frau ist? Dieses männliche Behaarungsmuster bei Frauen ist oft eine Folge von PCOS.

Männliche Körperbehaarung bei Frauen mit PCO

Hirsutismus ist das Fachwort für eine Körperbehaarung bei Frauen mit männlichem Verteilungsmuster. Es ist ein Symptom, das viele Frauen betrifft, obwohl es in der Öffentlichkeit nur selten sichtbar wird. Haare sind leicht zu entfernen. Sie werden rasiert, epiliert, gewachst und gebleicht. Und am Ende präsentiert sich fast jede Frau nur mit glatter, haarloser Haut. Tatsächlich sind aber wahrscheinlich 40 % – 90 % aller PCOS-Patientinnen von Hirsutismus betroffen. Das sind bei vorsichtiger Schätzung etwa 5 % aller Frauen in Westeuropa. Jede 20. Frau, die dir auf der Straße begegnet, kennt das Phänomen der ausgeprägten Körperbehaarung.

Ursachen männlicher Behaarung bei Frauen

Männliche Körrperbehaarung und Bart bei Frauen mit PCOS

Unser ganzer Körper ist von Geburt an von feinen, nicht pigmentierten Haaren überzogen. Diesen Flaum nennt man Vellushaare. Während der Pubertät wirken Androgene – insbesondere das Dihydrotestosteron (DHT) – auf die Haarfollikel und stimulieren sie. Dadurch können sie zu dickerem, pigmentiertem Haar, den Terminalhaaren, werden.

Ist man von dem PCO Syndrom betroffen, sind die Androgene (männliche Hormone) und eben auch das DHT erhöht. Die Körperhaare werden vermehrt zu dem dickeren Terminalhaar und dann kann man auch als Frau eine sichtbare Behaarung an eigentlich typisch männlichen Stellen bekommen. Die Ausprägungen sind sehr unterschiedlich und reichen von etwas stärkerer Bein- und Intimbehaarung bis hin zu einem echten Bartwuchs bei Frauen.

Psychische Belastung für Frauen mit Bart

Makellose glatte Haut gilt als Symbol für Weiblichkeit. Selbst Frauen ohne PCO verwenden viel Zeit darauf, sich zu enthaaren. Es ist ein unnatürlicher Schönheits-Standard, der fest in den Köpfen verankert ist. Umso größer ist die Verunsicherung, wenn der eigene Körper stark davon abweicht. Verstärkte Behaarung an Regionen, die auch andere Frauen rasieren, sind dabei noch leichter zu ertragen.

Die Scham setzt ein, wenn man sich Gesicht, Brust oder Rücken enthaaren muss, um nicht als „unnatürlich“ aufzufallen. Hinzu kommt die Angst, dass man eine Stelle übersehen hat oder sich im Laufe des Tages ein Bartschatten abzeichnet. Vor allem das Gesicht kann man in der Öffentlichkeit nicht durch lange Kleidung verbergen. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass Frauen es vermeiden, die Wohnung zu verlassen. Andere versuchen die untere Gesichtshälfte häufig hinter Schals zu verstecken. Es könnten schließlich noch irgendwo Stoppeln übersehen worden sein. Immer schwingt die Angst mit, dass der Umwelt dieses unweibliche Attribut auffällt und man stigmatisiert wird.

Behandlungsmöglichkeiten für Frauen mit starker Körperbehaarung

Die gute Sache an diesem Symptom ist, dass es sich relativ leicht verstecken lässt. Die meisten Frauen in unserer Kultur entfernen ihre Körperbehaarung und somit bietet die Kosmetikindustrie uns viele Optionen an. Rasieren, zupfen, bleichen, Enthaarunscremes, Kalt- und Heißwachs, Sugaring bis hin zu Laser-Therapien. Je nach Stelle und Hautempfindlichkeit lässt sich ein geeignetes Mittel finden, um die lästigen Härchen zu entfernen. Ich persönlich bin inzwischen ein großer Fan der kleinen, handlichen Gesichtshaarentferner für Frauen.

In diesem Beitrag findet ihr meine persönlichen Empfehlungen für Haarentfernungs-Methoden.

Der Kampf gegen die Wirkung ist in diesem Fall zwar nervig, aber relativ leicht. Der Ursache lässt sich hingegen nicht so leicht entgegenwirken.

Hier sei vorab gesagt, dass alle an anderer Stelle beschriebenen Ernährungs– und Verhaltens-Empfehlungen bei PCOS sich natürlich auch positiv bei der Körperbehaarung auswirken können. Aber es ist unwahrscheinlich, das Problem allein dadurch in den Griff zu kriegen. Bitte konsultiert einen Arzt, wenn ihr so sehr unter eurer Behaarung leidet, dass ihr medizinisch dagegen vorgehen möchtet.

Wie bei fast allen PCO-Symptomen wirkt die Antibabypille auch der männlichen Behaarung entgegen und kann – sofern kein Kinderwunsch besteht – schnell Linderung verschaffen. Des Weiteren ist es möglich, sich zusätzliche Antiandrogene, wie beispielsweis Cyproteron, verschreiben zu lassen. Auch die lokale Behandlung mit Cremes mit dem Wirkstoff Eflornithin (zum Beispiel Vaniqa) ist möglich.

Bitte besprecht all diese Optionen ausgiebig mit einem Arzt und lasst euch nicht leichtfertig zur Einnahme von Medikamenten oder dem Auftragen von Salben hinreißen. All das ist mit Nebenwirkungen verbunden, die ggf. schlimmer sein können, als das ursprüngliche Problem. Bitte gebt gut auf euch Acht und lasst euch nicht nur von eurer Verzweiflung leiten.

Meldet euch gerne bei mir, wenn ihr zu dem Thema noch weitere Hinweise und Tipps habt.