Was ist PCOS?

Die Abkürzung PCOS steht für Polyzystisches Ovar-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, bzw. hormonelle Störung geschlechtsreifer Frauen. Sie wurde 1935 erstmals in einem wissenschaftlichen Journal beschrieben und wird daher manchmal noch nach ihren Entdeckern als Stein-Leventhal-Syndrom bezeichnet. PCOS oder PCO Syndrom sind inzwischen jedoch die häufiger genutzten Bezeichnungen.

Eierstock Polyzystische Ovarien PCOS PCO Syndrom

Wirklich viel konnte ich mit dieser Entschlüsselung zunächst trotzdem nicht anfangen. Dabei bezeichnet dieser komplizierte Name eins der grundlegendsten Symptome dieser Stoffwechselerkrankung: viele (poly) Follikel (Zysten) in den Eierstöcken (Ovarien). Doch das Krankheitsbild ist komplex. So muss nicht jede Frau mit vermehrter Zystenbildung PCOS haben und nicht jede Frau mit PCOS leidet an polyzystischen Ovarien. Deswegen wird es als Syndrom bezeichnet: Es zeichnet sich durch das gemeinsame Auftreten verschiedener Symptome aus.

Ihr seht: Es ist kompliziert.

Wie wird eine PCO-Diagnose gestellt?

Laut der sogenannten „Rotterdam-Kriterien“ kann die Diagnose PCOS gestellt werden, wenn zwei der folgenden Kriterien zutreffen:

  • mehr als 10 Follikel in einem der Eierstöcke (polyzystische Ovarien)
  • unregelmäßige oder ausbleibende Periode (Olgio-/Anovulation)
  • Überschuss männlicher Hormone (Hyperandrogenämie)

Zudem dürfen diese Anzeichen nicht auf andere bekannte Ursachen zurückzuführen sein.

Wie merke ich, dass ich PCOS habe?

Ihr selbst habt vermutlich nicht direkt gespürt, dass eure Eierstöcke zu viele Zysten ausbilden oder wie viele männliche Hormone sich in eurem Blut befinden. Was ihr als Betroffene aber vermutlich wahrgenommen habt, sind die daraus resultierenden Symptome. Sie sind so uneindeutig, dass sie oft sogar von Ärzten übersehen und nicht erkannt werden.

Eierstock Polyzystische Ovarien PCOS PCO Syndrom

Diese Symptome deuten auf PCOS hin:

Wenn ihr euch in mehreren dieser Symptome wiederfindet, solltet ihr euch vorsorglich auf PCOS untersuchen lassen.

Welche Untersuchung nimmt der Arzt vor?

Mithilfe eines Bluttests kann der Hormonspiegel bestimmt werden. So kann der Arzt oder die Ärztin erkennen, ob sich unnatürlich viele männliche Sexualhormone (Androgene) in deinem Blut befinden. Da diese Werte natürlichen Schwankungen unterworfen sind, solltet ihr den Zeitpunkt eurer letzten Periode bei der Untersuchung angeben. Es macht nämlich einen großen Unterschied, ob die Werte während des Eisprunges oder davor oder danach gemessen werden. Ich empfehle euch, mit eurem Verdacht direkt zu einem Endokrinologen zu gehen. Allgemeinmediziner sind mit der Materie oft nicht vertraut. Lasst euch in diesem Zuge am besten auch direkt auf Insulinresistenz testen. Diese Erkrankung geht sehr oft mit PCOS einher.

Die Diagnose PCOS besser verstehen

Über eine Ultraschalluntersuchung beim Frauenarzt wird zudem festgestellt, ob sich in den Eierstöcken übermäßig viele Follikel gebildet haben. Bis zu 12 Follikel sind normal, bei PCOS bilden sich jedoch oft über 20 dieser Zysten aus. Diese kann man übrigens auch als Laie gut als viele kleine Kreise mit Hohlräumen auf dem Ultraschallbild erkennen. Am besten sagt ihr eurer Frauenärztin vorher, worum es euch geht und sprecht mit ihr ab, welcher Tag in Bezug auf euren Zyklus für die Untersuchung gut geeignet ist.

Wie verbreitet ist das PCO Syndrom?

Nach der Diagnose war mein erster Gedanke: Warum ausgerechnet ich? Dann stellte ich nach und nach fest, dass ich mit diesem Problem ganz und gar nicht allein bin.

Tatsächlich sind schätzungsweise 6 – 8 % aller Frauen im gebärfähigen Alter von PCOS betroffen. Jede 13. Frau kennt die Symptome, auch wenn nicht jede diagnostiziert ist. Viele wissen vermutlich gar nicht, dass so etwas wie das PCO Syndrom existiert. Hinzu kommt die weit verbreitete Einnahme der Anti-Babypille, die viele Symptome jahrelang unterdrückt. Dass etwas nicht stimmt, fällt also oft erst mit einsetzendem Kinderwunsch auf.

Umso wichtiger ist mir, diese Hormonstörung in den Fokus zu rücken und bekannter zu machen. Denn: Wir sind viele! Und wir können uns gegenseitig unterstützen. Je früher eine Frau weiß, was PCOS ist und dass sie es hat, umso besser kann sie ihren Körper und ihre Gesundheit unterstützen.

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Ursachen von PCOS

Die Ursache der Hormonstörung ist übrigens auch nach 85 Jahren immer noch nicht geklärt. Da PCOS in manchen Familien gehäuft vorkommt, ist eine genetische Vorbelastung möglich. Damit wäre das PCO Syndrom vererbbar. Umfangreiche Studien oder gar die Entdeckung eines PCOS-Gens, die diese These belegen würden, gibt es allerdings nicht. Wahrscheinlicher ist, dass die Mutter die Tochter noch während der Schwangerschaft hormonell beeinflusst und sich das auf ihre weitere Entwicklung auswirkt. Aber auch hierfür gibt es noch keine Beweise.

Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel können bei PCOS helfen

Kann man PCOS heilen?

Bisher ist es leider nicht möglich, PCO komplett zu heilen. Allerdings können einige Maßnahmen ergriffen werden, um die Symptome zu mildern.

Medikamentöse Behandlung

Die Antibabypille kann helfen, den Hormonhaushalt zu regulieren und wird oft als erstes empfohlen, sofern kein Kinderwunsch besteht. Die Einnahme führt zu einer starken Verminderung vieler Symptomen. Die Periode kann gesteuert werden, das Hautbild verbessert sich, die Kopfhaare fallen nicht mehr so stark aus. Allerdings solltet ihr euch der Nebenwirkungen bewusst sein und diese Entscheidung nicht voreilig treffen. Ärzte stellen zwar sehr schnell Rezepte für die Pille aus, aber es handelt sich dabei immer noch um einen sehr starken Eingriff in euer Hormonsystem.

Metformin ist ein Medikament, das für Diabetiker entwickelt wurde. Wenn PCOS jedoch mit einer Insulinresistenz einhergeht, was überdurchschnittlich häufig der Fall ist, wird es off-label verschrieben. Das bedeutet, dass der Arzt euch das Rezept ausstellt, obwohl ihr nicht von Diabetes betroffen seid. Das Medikament erhöht die Reaktion der Zellen auf Insulin und verbessert somit den Stoffwechsel. Nähere Informationen dazu findet ihr in meinem Erfahrungsbericht zu meiner Metformin-Einnahme.

Dies sind die beiden gängigsten ärztlichen Behandlungen. Je nach individuellem Leidensdruck, Symptomen und Zielen können mit dem Arzt zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten abgesprochen werden.

Ein gesunder Lebensstil hilft

Auf einen gesunden Lebensstil zu achten, ist immer empfehlenswert. Als Betroffene von PCOS ist es allerdings umso wichtiger.

Die Ernährung spielt hierbei eine Schlüsselrolle. Insbesondere die Ausschüttung des Insulins lässt sich über eine auf PCOS ausgerichtete Ernährung gut steuern. Dadurch wird die Hormonproduktion und das Gewicht positiv beeinflusst. Beides führt dazu, dass die Überproduktion der männlichen Hormone abnimmt und somit auch die Symptome schwächer werden. Außerdem gibt es einige Nahrungsergänzungsmittel, die dir helfen werden. Bei mir hat die Einnahme von Vitamin D zu einer sehr starken Verbesserung geführt, aber auch andere Mittel wie zum Beispiel Inositol oder Mönchspfeffer haben schon vielen Frauen geholfen.

Eine ebenfalls sehr wichtige Rolle spielt der Sport. Er verbessert nicht nur das allgemeine Wohlbefinden und hilft bei der Gewichtsreduktion. Muskeln verstoffwechseln Zucker und je mehr Muskelmasse vorhanden ist, umso besser können sie den Körper bei der Umwandlung der Glukose unterstützen und beeinflussen damit ebenfalls die Insulinausschüttung positiv.